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Die Drei-Quellen – eine wenig bekannte Geschichte

Le Tre Fontane (Die drei Brunnen oder auch Quellen) an der Via Laurentina in Rom ist ein bekannter Ort, denn hier wurde der heilige Paulus zum Märtyrer. Die Legende besagt, dass, als der heilige Paulus in der Zeit der Verfolgung durch Nero enthauptet wurde, sein Kopf dreimal aufsprang, bevor er liegen blieb. Dort sprudelten plötzlich drei Quellen aus dem Boden, weshalb der Ort „Le Tre Fontane“ oder „Die drei Quellen“ genannt wird.
Nicht weit vom Ort des Martyriums des heiligen Paulus gibt es auch ein Marienheiligtum, welches aufgrund einer Marienerscheinung errichtet  wurde.
Aber fangen wir von vorne an:

Im Jahr 1913 wurde Bruno Cornacchiola in einem Stall am Rande Roms geboren. Er wurde erst getauft, nachdem sein Vater aus dem Gefängnis zurückgekehrt war. Er wuchs in der gottlosen Umgebung der Slums von Rom auf, die fast ausschließlich von Kriminellen und Prostituierten bevölkert waren. In Brunos Haus gab es ständig Streit, Flüche und Schläge gegen die Kinder. Die Älteren liefen des Nachts von zu Hause weg. Eines Tages, als Bruno zu Hause war, kümmerte sich ein Mönch um ihn und nahm ihn mit ins Kloster. Dort erhielt er etwas zu essen und wurde gewaschen. Ordensschwestern lehrten ihn den Katechismus. Nach 40 Tagen der Vorbereitung empfing der 16-jährige Bruno seine erste heilige Kommunion und das Sakrament der Firmung. Im Alter von 20 Jahren wurde er zur Armee eingezogen. Nach seinem Militärdienst heiratete Cornacchiola ein Mädchen, das er seit seiner Kindheit kannte, und nur auf ihr Drängen hin stimmte er einer kirchlichen Trauung zu. Bruno trat später in die kommunistische Partei ein. Er ging mit der italienischen Armee in den Bürgerkrieg nach Spanien, wo er begann, für die Kommunisten zu spionieren. In Saragossa traf er einen deutschen Soldaten, der ihn sehr beeindruckt, er gehörte einer protestantischen Sekte an und hegte Hass auf den Papst und die katholische Kirche. Seitdem wuchs Brunos Hass auf die katholische Kirche so sehr, dass er sich einen Dolch kaufte und „Tod dem Papst“ darauf schrieb. Als der Krieg zu Ende war, kehrte er nach Rom zurück und begann als Schaffner in einer Straßenbahn zu arbeiten. Während dieser Zeit kam er in Kontakt mit den Siebenten-Tags-Adventisten. Bruno war sehr engagiert und eifrig in seinem Kampf gegen die katholische Kirche, den Marienkult und den Papst, und er tat alles, um möglichst viele Menschen von seinen Gründen zu überzeugen und sie zu Anhängern der adventistischen Sekte zu machen.  Daraufhin erhielt er den Auftrag, auf der Piazza della Croce Rossa eine Rede zu halten, in der er den Kult der Eucharistie, das Dogma der Unbefleckten Empfängnis der Heiligen Jungfrau Maria, lächerlich machen sollte. Für ihn war es eine große Ehre und eine Chance, zu predigen.

Aus diesem Grund fuhr er am Samstag, dem 12. April 1947, mit seinen Kindern, der 10-jährigen Isola, dem 7-jährigen Carlo und dem 4-jährigen Gianfranco, nach Ostia. Sie verpassten ihren Zug, also beschließt er, zur Via Laurentina alle Tre Fontane zu gehen, um seine Rede in Ruhe vorzubereiten.

Es war ein schöner sonniger Tag, die Kinder begannen im Eukalyptuswald zu spielen und Bruno bereitete seine Rede vor. Nicht weit von der Stelle, an der sie sich aufhielten, gab es eine Höhle. Ab und zu schaut Bruno nach den Kindern. Als er einmal die Antwort seines jüngsten Sohnes nicht hörte machte er sich erschrocken auf die Suche nach ihm. Er kam zu einer nahe gelegenen Höhle und fand das Kind dort kniend mit zum Gebet gefalteten Händen. Bruno rief die anderen Kinder. Als sie ankamen, knieten auch sie vor der „schönen Dame“ nieder, die sich in der Höhle befand, die aber nur er nicht sehen konnte. Bruno hatte Angst, seine Kinder waren blass und regungslos, er wusste nicht, was er tun soll, er machte sich Sorgen um seine Kinder und in seiner Hilflosigkeit bat er zum ersten Mal seit langer Zeit von ganzem Herzen den Herrn. In diesem Moment erhellte sich die Dunkelheit der Höhle und auch er sah eine „schöne Dame“. Sie war etwa einen Meter siebzig groß, trug ein weißes Kleid mit einem rosafarbenen Band um die Hüften, hat dunkelbraunes Haar und einen grünen Umhang um Kopf und Hüften und hielt eine Bibel in den Händen. Die Dame stellte sich als „Jungfrau der Offenbarung“ vor und erklärte: „Ich bin die Jungfrau der Offenbarung, und die Offenbarung sind die Worte Gottes, die auch von mir sprechen. Ihr verfolgt Mich, aber es ist höchste Zeit, dass ihr dem ein Ende macht. Kehren Sie zurück in die heilige Gemeinschaft der katholischen Kirche: Die ersten Freitage des Monats, die Sie dem Heiligsten Herzen Jesu geopfert haben, die Sie, ermutigt durch Ihre besorgte, treue Ehefrau, gefeiert haben, bevor Sie endgültig den Weg des Irrtums betraten, haben Sie gerettet.” Eine Viertelstunde lang spricht sie mit Bruno: Sie erklärt ihm die Bedeutung des Gebets, lädt ihn zur Beichte ein und übergibt ihm eine Botschaft für den Papst.

Schließlich lächelte sie, verbeugte sich und verschwand allmählich, nur ein schöner Duft blieb in der Höhle zurück. Bevor sie ging, hinterließ die Jungfrau der Offenbarung ihm ein Zeichen, das seine Zweifel zerstreute, die Glaubwürdigkeit der göttlichen Botschaft bestätigte und Satans Handlungen abwies. Nach seiner Rückkehr nach Hause erzählte Bruno seiner Frau, was geschehen war, und bat sie, ihm für sein vergangenes Verhalten zu verzeihen. Cornacchiola hatte weitere Erscheinungen am 6., 23. und 30. Mai.

Am 5. Oktober 1947, dem Fest der Muttergottes vom Rosenkranz, fand die größte Rosenkranzprozession in der Geschichte Roms statt. Sie begann auf dem Petersplatz und führte durch die Straßen der Stadt zur Grotte in Tre Fontane. Drei Paar weiße Pferde zogen einen Wagen mit einer großen Statue der Jungfrau von der Erscheinung, die Papst Pius XII. segnete. Damals gab der Heilige Vater seine Zustimmung zu öffentlichen Gottesdiensten in Tre Fontane und vertraute den Franziskaner-Konventualen die seelsorgerische Betreuung der Pilger an, die zum Ort der Erscheinungen kamen. Dieser Ort wurde zu einem Ziel von Pilgerfahrten, wo viele Heilungen und Bekehrungen stattfanden.

Am 12. April 1980, am 33. Jahrestag der Erscheinungen, wurden 3.000 Menschen Zeugen des Sonnenwunders. Dieses Phänomen wiederholte sich zwei

Jahre später…

Bruno Cornacchiola traf auch mehrere Päpste: am 8. Juli 1959 wurde er von Papst Johannes XXIII. in Privataudienz empfangen und am 17. Oktober 1973 traf er mit Paul VI. zusammen. Er hatte auch eine Privataudienz bei Johannes Paul II.

Dank der Entscheidung von Papst Johannes Paul II. erließ Kardinal Camillo Ruini am 17. März 1994 das Dekret, dass am Ort der Erscheinungen eine Kirche gebaut werden sollte, und am 2. April 1997 verlieh Johannes Paul II. der Kirche den Titel „Heilige Maria des dritten Jahrtausends in Tre Fontane“.

 

Sr. Weronika Wojciechowska

 

 

 

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