GESCHICHTE – Kalender

Die Anfänge der Kongregation

Historischer Hintergrund

Die Kongregation der Marienschwestern von der Unbefleckten Empfängnis entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Wrocław (Breslau), das damals zu Preußen gehörte. Sie war eine der ersten Religionsgemeinschaften in Europa, deren Mitglieder sich ganz den Ärmsten, den Verachteten und Schwächsten, die am Rande der Gesellschaft lebten, widmeten. In einer solchen Situation befanden sich viele Frauen und Mädchen aus armen ländlichen Gebieten in dieser Zeit der Industrialisierung und der Erstarkung des Kapitalismus. Tausende Männer und Frauen, vor allem junge Menschen zog es in die großen, schnell wachsenden Städte, um dort nach die Möglichkeiten  zu suchen, sich und die eigenen Familien durch Arbeit in den Fabriken zu ernähren. Diese Fabriken schossen wie Pilze aus der Erde, aber es gab kaum gesetzliche Regelungen, aber große Ausbeutung. Ein gewaltiger gesellschaftlicher Wandel bestand darin, dass auch Frauen und sogar Kinder regelmäßig einer bezahlten Arbeit nachgingen, was oft das von Generationen geprägte Familienleben zerstörte. Frauen wurden von den Fabrikbesitzern eifrig beschäftigt, da die Löhne, die sie erhielten, viel niedriger waren als die der Männer. Viele von ihnen, unvorbereitet auf die neuen sozialen Bedingungen und ungeschützt durch irgendein Gesetz, wurden Opfer von Betrug, Ausbeutung und verschiedenen Arten von Verbrechen, was damals für die unteren Schichten die Norm war. Der würdevollste und einigermaßen sichere Beruf, den eine Frau oder ein junges Mädchen vom Land in der sich entwickelnden Großstadt finden konnte, war der eines Hausmädchens, obwohl auch dieser Beruf nicht immer sicher und ungefährlich war. In der Mitte des 19. Jahrhunderts waren in den europäischen Großstädten Mädchen und Frauen aus ländlichen Gebieten die soziale Gruppe, die am stärksten von Verachtung, Demoralisierung und sozialer Ungerechtigkeit bedroht war und Hilfe und Unterstützung brauchte. 

Entstehung der Kongregation

Auf Ersuchen der Stadtverwaltung und des Ortsbischofs von Breslau, gründete ein junger Priester, Pfarrer Johannes Schneider, am 8. Dezember 1854 den „Verein zur sittlichen Hebung weiblicher Dienstboten”, der moralisch gefährdeten, armen und verlassenen Frauen und Mädchen Hilfe leistete. Die Unbefleckte Jungfrau Maria wurde zur Hauptpatronin des Vereins und die Heilige Rosa von Lima zur zweiten Schutzpatronin gewählt.

Das wichtigste Patronatsfest wurde der 8. Dezember, das Fest der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria. Es wurden auch besondere Gebete eingeführt, die bei allen Sitzungen des Vorstands und der Mitglieder des Vereins gebetet wurden. Zunächst bot die Verein eine sichere Unterkunft für Mädchen, die nach Breslau kamen.

Hinzu kam dann die Hilfe bei der Vorbereitung auf die Arbeit als Dienstmädchen sowie bei der Suche nach einer menschenwürdigen und guten Dienststelle. Die Mitglieder des Vereins erhielten Schutz und Hilfe bei Krankheit, Verlust des Arbeitsplatzes oder anderen Problemen. Von Anfang an wollte Pfarrer Schneider Ordensfrauen für diese Aufgaben einsetzen, aber die Kongregationen, die sich bisher hauptsächlich mit der Erziehung oder der Krankenpflege widmeten, sahen keine Möglichkeit, völlig neue Aufgaben zu übernehmen. Bald jedoch kamen die ersten Frauen, die bereit waren, sich um die moralisch gefährdeten Mädchen und die Armen, die Hilfe und Unterstützung brauchten, zu kümmern und auch als Ordensschwestern leben wollten, zu Pfarrer Schneider.

Die ersten Kandidatinnen der zukünftigen Ordenskongregation unterstellten sich der geistlichen Leitung von Pfarrer Schneider und setzten die Arbeit des Vereins fort. Im Jahr 1863 nahmen sie die Ordenstracht aus den Händen des Stifters an, und ein Jahr später wurde eine von ihnen, Schwester Mathilde Scholz, zur ersten Oberin der neuen Gemeinschaft gewählt. Die Verfahren für die rechtliche Genehmigung einer neuen Ordenskongregation in der Kirche waren sehr schwierig und kompliziert. Erst 1897 genehmigte Papst Leo XIII. die bestehende Kongregation und verlieh ihr durch ein Dekret namens Decretum Laudis päpstliche Rechte. Die letzte rechtliche Bestätigung wurde von Papst Pius XI. im Jahr 1932 vorgenommen, das offizielle Gründungsdatum der Kongregation der Marienschwestern von der Unbefleckten Empfängnis ist jedoch der 8. Dezember 1854.

Kalender

1854 

Während der feierlichen heiligen Messe in der St.-Matthäus-Kirche in Breslau nahmen die Mitglieder des Vereins an der Heiligen Kommunion teil und weihten ihr Leben mit einem besonderen Gebet der Seligen Jungfrau Maria, der Unbefleckt Empfangenen – ihrer Patronin und Königin. Dies ist das traditionelle Datum der Gründung der Kongregation. Diese erste Weihe ist verbunden mit dem Brauch, sich jedes Jahr am Tag des Patronatsfestes, dem 8. Dezember, der Unbefleckten Gotttesmutter zu weihen, verbunden mit der Erneuerung der Gelübde durch die Schwestern. 

Die ersten beiden Räume wurden als Zufluchtsort für Mädchen eröffnet.

1855

Am Ende des Jahres gehörten 1050 unterstützungsbedürftige Mädchen der Vereinigung an.

1856

Die medizinische Hilfe für kranke Dienstmädchen des Vereins, wurde durch die Finanzierung von 6 Plätzen im Allerheiligen Hospital initiiert.

1857

Für den Kauf eines Hauses entschied sich der Verein für ein Haus in der Gräupner-Straße 10 in Breslau (heute Św. Józefa-Straße), das in Zukunft als Zufluchtsort für Mädchen und als Nonnenkloster dienen sollte.

1860

Es melden sich die ersten Frauen, die als Ordensschwestern die Arbeit des Vereins fortsetzen wollen. 

1863

Die ersten Kandidaten, die sich auf das Ordensleben in der entstehenden Kongregation vorbereiten wollen, erhalten die Ordenstracht.

Der Verein hat die Rechte einer juristischen Person erhalten.

1864

Wahl einer Oberin der neuen Gemeinschaft. Bis jetzt war der Stifter selbst der Obere. Er kam jedoch zu dem Schluss, dass eine weibliche Ordensgemeinschaft eine Frau als Oberin haben sollte. Sr. Mathilde Scholz wurde gewählt und angenommen. Als die Kongregation begann, ihre Außenstellen zu errichten (die erste war 1886 in Ratibor), wurde Sr. Mathilde die erste Generaloberin.

1867

Bitte an den Erzbischof von Breslau, Dr. H. Förster, um Bestätigung der Kongregation der Marienschwestern v.d.U.E., mit der Vorlage der Statuten der Gemeinschaft, die auf der Regel des heiligen Franziskus basiert.

In einem von der Gemeinschaft in Breslau erworbenen Gebäude wurde eine Betreuungseinrichtung für Kinder eingerichtet, die ohne elterliche Fürsorge sind. Zwei Schwestern arbeiteten dort. 

1868

Die von Pfarrer Schneider gegründete Stiftung wird vom  Erzbischof von Breslau anerkannt. Dem Antrag auf Bestätigung als Kongregation wurde dagegen nicht entsprochen.

Pfarrer Schneider bereitete ein besonderes Gesuch an Papst Pius IX. vor, mit der Bitte, sein Institut als Ordensgemeinschaft zu approbieren, sowie Ablässe für die Feierlichkeiten der Unbefleckten Empfängnis und der Heiligen Rosa zu gewähren.

Der Erzbischof teilt dem Stifter mit, dass aus Rom die Bitte kam, die Statuten und einige andere fehlende Dokumente sofort nachzureichen. Die Statuten konnten jedoch nicht nach Rom geschickt werden, da sie vom Bischof nicht genehmigt wurden. Pfarrer Schneider legte dem Erzbischof die geänderten Statuten erneut vor.

1869

Die Zahl der Mädchen, die im Haus des Vereins wohnen, nimmt von Jahr zu Jahr zu. 1869 waren es 266 Mädchen und 1870 bereits 330 sowie 40 kranke Mitglieder des Vereins, die der Fürsorge bedurften. Im Jahr 1873 gab es nur 278 Anfragen. Die Zahl begann mit Beginn des Kulturkampfes zu sinken.

Die Kongregation wurde vom Erzbischof von Breslau anerkannt.

Der Stifter erhielt eine Ernennung als Pfarrer der St. Matthäus-Pfarrei.

1876

Als Teil des Kampfes gegen die Kirche während des Kulturkampfes drohte die Liquidierung der Kongregation nach dem Gesetz über die Auflösung der Klöster.

Um die Kongregation zu retten, unternahmen die Schwestern eine Pilgerreise nach Philippov (Filippsdorf) – Tschechische Republik. Dort, am Heiligtum der Muttergottes, gelobte die Oberin, Sr. Mathilde, dass die Marienschwestern als Zeichen der Dankbarkeit jedes Jahr zu diesem Ort pilgern werden, wenn Maria ihre Bitten erhört. Die Schwestern blieben 8 Tage lang in Philippow. Bei ihrer Rückkehr nach Breslau fanden sie ein Schreiben vor, das die Arbeit und das Verbleiben der Gemeinschaft erlaubte (25.11.1876). Die Tradition der Wallfahrt der Schwestern setzt sich bis heute fort. Die Schwestern pilgern jedoch nicht nach Philippov, sondern nach Bardo Śl. (Wartha), weil die Grenzschwierigkeiten die Pilgerfahrt nach Philippov später unmöglich machten.

Am 7.12.1876 stirbt der Stifter, Pfarrer Johannes Schneider. An den Trauerfeierlichkeiten nahm Pfarrer Prälat Robert Spiske teil. Die sterblichen Überreste von Pfarrer Schneider wurden auf dem Friedhof in Wroclaw (Breslau) beigesetzt.

1879

Neben dem Haus des Vereins in Breslau wird ein Grundstück erworben, das als Unterkunft für alte und kranke Dienstmädchen hergerichtet werden soll.

1880

Die Umauarbeiten wurden abgeschlossen, und die ersten vier alt gewordenen Dienstmädchen wurden aufgenommen.

Die erste hl. Messe wurde in der Kapelle des Marienvereins gefeiert. Dies war lange der Wunsch des verstorbenen Stifters.

1886

Einrichtung des ersten Filiale der Kongregation in Ratibor (Racibórz). 

Nominierung von Mutter Mathilde Scholz zur ersten Generaloberin.

1888 

Eröffnung der ersten Filiale in Berlin, Melchiorstraße 31.

1889

Eröffnung der zweiten Filiale in Berlin, Fehrbellinerstraße 98.

1890

Der Kurator der Kongregation, P. Aloys Sambale, sandte die Konstitutionen erneut an Bischof G. Kopp mit der Bitte um Genehmigung.

Erste kanonische Ordensprofessen in Berlin und Breslau.

1891

Billigung der Konstitution der Kongregation durch Bischof Georg Kopp.

1893

Tod von M. Mathilde Scholz, der ersten Generaloberin. 

1894

Sr. Hedwig Mandel wird zur neuen Generaloberin gewählt.

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