SPIRITUALITÄT

Einheit im Blick auf die Ewigkeit

November

Wie kein anderer Monat hält uns der November unsere Zukunft vor Augen. Er erinnert uns daran, dass wir irgendwann unser Leben in die Hand des Schöpfers zurückgeben müssen. Aber er hat auch eine Verheißung: ein ewiges Leben bei Gott.

Wenn Sie diese beiden Botschaften ernst nehmen, denken Sie doch mal über die konkreten Konsequenzen nach. Was wäre, wenn Gott in einer Woche oder sogar schon morgen bei mir anklopfen würde?

 

Lichtenberg: Alles im Blick auf die Ewigkeit

Im Tagebuch, das der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg in seiner Untersuchungshaft geschrieben hat, finden wir den Satz: Heute will ich alles im Licht der Ewigkeit sehen. Lichtenberg wird seinen zukünftigen Weg ziemlich klar vor Augen gehabt haben. So hat er die irdischen Dinge sehr ernst genommen, aber alles unter dem Maßstab der Ewigkeit gesehen. Eine gute Grundhaltung für ein geistliches Leben.

Geistliche Übung: Was will ich mit Blick auf die Ewigkeit noch tun? Was will ich verändern? Was will ich loslassen?

 

Der breite Graben

Sie kennen das Gleichnis vom armen Lazarus und dem reichen Mann. Beide müssen sterben, der eine kommt in den Himmel (Abrahams Schoß), der andere muss in der Hölle leiden. Himmel und Hölle werden hier einfach durch die Umkehrung der Lebensverhältnisse beschrieben: Wer es sich in dieser Welt hat gut gehen lassen, der muss leiden, und wer leiden musste, dem wird jetzt das Paradies zuteil.

Diese diese Erklärung macht mich schon sehr nachdenklich, fast Angst. Denn ich muss sagen, dass es mir auf dieser Welt total gut geht. Habe ich dann das gleiche Schicksal zu erwarten wie der reiche Mann?

Doch Jesus gibt in seinem Gleichnis eine weitere Erklärung. Da ist von einem breiten Graben die Rede, die die beiden voneinander trennt. Wer hat diesen Graben gemacht? Gott? Und so langsam kommt der Reiche zur Einsicht, dass er diesen breiten Graben gemacht hat, damals zu Lebzeiten, als er den Armen nicht gesehen hat und auch nicht sehen wollte.

Eine weitere geistliche Übung: Wo sehe ich in meinem Leben solche Gräben. Was oder wen trennen diese Gräben von mir? Bin ich bereit, solche Gräben zu sehen und vielleicht sogar zu überbrücken?

 

Keiner von uns lebt sich selber … (Röm)

Die zweite Botschaft des Novembers ist die Verheißung: Und erwartet ein neues Leben in der Herrlichkeit Gottes.

Ich möchte Ihnen dazu einen Text aus der Heiligen Schrift mitgeben, den Sie aus vielen Beerdigungsgottesdiensten kennen. Da schreibt der Apostel Paulus:

Keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber.

Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn.

Ob wir leben oder sterben, wir gehören dem Herrn. (Röm 14,7-8)

In den Ansprachen wird dann gern auf die zweite Zeile Bezug genommen, auf die Beziehung zu Gott.  Doch davor stellt Paulus unsere Beziehung untereinander. Keiner von uns lebt sich selber, und keiner von uns stirbt sich selber.

Unsere Beziehung zu Gott steht also in einem engen Zusammenhang mit der Beziehung, die wir zu den Menschen haben. Und wenn Paulus danach betont, dass wir Rechenschaft vor Gott abgeben müssen (Röm 14,10.12). Keiner von uns lebt sich selber. Ein Satz, der im Blick auf die Ewigkeit für mich interessant sein könnte.

 

Karl Borromäus – Reformer der Kirche

Keiner von uns lebt sich selber. Was dies bedeutet, und welche Konsequenzen das auch für die Gemeinschaft und Einheit der Kirche bedeutet, kann man sehr gut an einem Reformer sehen: an dem Hl. Karl Borromäus. Gehen wir dazu in das 16. Jahrhundert. Martin Luther hat mit seinen Thesen die Kirche in Europa in Aufruhr gebracht. Die Kirche war gespalten. Wie konnte man die Einheit wiederfinden. Die Antwort suchte man in einem Konzil: dem Konzil von Trient. Einer der entscheidenden Personen auf diesem Konzil war der Hl. Karl Borromäus. Sein Onkel war Papst, und ihm stand eine glänzende Karriere in Aussicht. Doch er hat sich total zurückgenommen, war sehr anspruchslos, und hat seine ganze Arbeitskraft der Kirche gewidmet. Ein Leben für – in diesem Fall ganz konkret für die Kirche. Die Einheit war ihm wichtiger als seine eigene Person.

 

Der wiederkommende Christus

Vor uns steht die Zeit des Advents, die Zeit, in der wir an die Wiederkunft Christi erinnert werden. Wir als Christen haben uns anscheinend daran gewöhnt: ist der seit 2000 Jahren nicht wiedergekommen, dann wird das auch in den nächsten 20 oder 30 Jahren nicht passieren. Anders sieht es aus, wenn es um mein ganz persönliches Leben geht. Da kann es mal ganz schnell gehen, dass ich vor dem Angesicht Gottes stehe. Dder breite Graben könnte dann ein entscheidendes Thema sein. Vielleicht nehmen Sie also für diesen Advent noch einmal das Testament unseres Stifters Pfr. Johannes Schneider zur Hand, oder noch besser zu Herzen.

 

Prälat Dr. Stefan Dybowski

 

22.11.2021   Monatsvortrag Kloster St. Augustinus, Berlin-Lankwitz

 

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