SPIRITUALITÄT

Ich bin der strahlende Morgenstern (Offb. 22,16)

Offenbarung

Die Offenbarung des Johannes ist das letzte Buch im Neuen Testament. Es geht darin um die Zukunft der Welt und damit auch um meine Zukunft. Die Welt wird vergehen, Gott wird in seiner Herrlichkeit erscheinen. In diesem Zusammenhang finden sich im letzten Kapitel zwei wunderbare Bildworte über Jesus:

Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids, der strahlende Morgenstern (Offb. 22,16). Beide Bilder passen gut in die Zeit des Advent. Für unseren letzten Monatsvortrag habe ich mich für das zweite Bild entschieden: für den strahlenden Morgenstern.

 

Der Morgenstern in der Liturgie

Eine geistliche Übung für den Advent: Suchen Sie nach Gebeten, Texten und Liedern, in denen der Morgenstern vorkommt. Im Advent dürfte das nicht schwer sein.

 

Liturgie des Advent

O-Antiphon (Vesper ab dem 17. Dezember): Du Morgenstern (22. Dezember)

Lieder zum Thema „Morgenstern“

Die Nacht ist vorgedrungen (GL 220)

Gott heilger Schöpfer aller Stern (GL 230)

Wie schön leucht uns der Morgenstern (GL 357)

Morgenstern der finstern Nacht (GL 372)

 

Hymnus zur Laudes (Sonntag 1. Woche)

 

O ew´ger Schöpfer aller Welt,
des Walten Tag und Nacht regiert,
du setzt den Zeiten ihre Zeit,
schenkst Wechsel in der Zeiten Lauf.

 

Der Hahn, des Tages Herold, ruft,
der Wächter in der Finsternis.
Sein Schrei trennt von der Nacht die Nacht,
dem Wanderer zur Nacht ein Licht.

 

Da steigt der Morgenstern empor,
erhellt das schwarze Firmament,
da weicht der dunklen Mächte Schar
vom Weg des Unheils scheu zurück.

 

Da fühlt der Schiffer neue Kraft,
des Meeres Brandung sänftigt sich,
der Fels der Kirche, Petrus, weint,
bereut die Schuld beim Hahnenschrei.

 

So stehet rasch vom Schlafe auf:
Der Hahn weckt jeden, der noch träumt.
Der Hahn bedrängt, die säumig sind,
der Hahn klagt die Verleugner an.

 

Hoffnung erwacht beim Hahnenschrei,
und Lind‘rung strömt den Kranken zu.
Der Räuber lässt von seinem Tun,
Gefallene vertrauen neu.

 

Herr, wenn wir fallen, sieh uns an
und heile uns durch deinen Blick.
Dein Blick löscht Fehl und Sünde aus,
in Tränen löst sich unsre Schuld.

 

Du Licht, durchdringe unsern Geist,
von unsren Herzen scheuch den Schlaf,
dir sei das erste Wort geweiht,

dich preise unser Morgenlob.
Amen.

 

Mehr als ein Fixstern
Wenn von Morgenstern (oder auch Abendstern) die Rede ist, suchen wir gern einen Fixstern am abendlichen oder morgendlichen Himmel. Doch die liturgischen Texte und Lieder meinen mit dem Bild des Morgensterns mehr als einen Fixstern am Himmel. Es geht um das Erleben des anbrechenden Tages und des damit verbundenen Lichtes nach der Erfahrung der Dunkelheit der Nacht.

 

Orientierung
Da steigt der Morgenstern empor, erhellt das schwarze Firmament, …

Da fühlt der Schiffer neue Kraft, des Meeres Brandung sänftigt sich, …

In der Dunkelheit werde ich schnell orientierungslos, finde mich nicht zurecht, bin unsicher. Sobald das Licht erscheint, kann ich mich zurechtfinden, mich orientieren, kommt die Sicherheit zurück.

Geistliche Übung: Woran orientiere ich mich in meinem Leben?

 

Hoffnung
Hoffnung erwacht bim Hahnenschrei, und Lind’rung strömt den Kranken zu.
Der Räuber läßt von seinem Tun, Gefallene vertrauen neu.

 

Viele haben Angst vor der Dunkelheit. Kinder vor dem „schwarzen Mann“ (wer auch immer damit gemeint sein könnte). Alte Menschen trauen sich nachts nicht mehr heraus aus Angst, überfallen zu werden. Und Kranke ersehnen nach einer Nacht voller Schmerzen den neuen Morgen.

 

Vergebung

Die Liturgie kennt noch eine andere Nacht: die Nacht von Sünde und Schuld.

In dem Adventslied „Die Nacht ist vorgedrungen“ wird wunderbar beschrieben, wie Gott mit unserer Schuld umgeht.

Die Nacht ist schon im Schwinden, macht euch zum Stalle auf!

Ihr sollt das Heil dort finden, das aller Zeiten Lauf

Von Anfang an verkündet, seit eure Schuld geschah.

Nun hat sich euch verbündet, den Gott selbst ausersah.

 

Im Exsultet der Osternacht ist ebenfalls von dieser Nacht die Rede. Aber die Schuld hat einen Erlöser gefunden. Nicht zufällig endet das Exsultet mit dem Hinweis auf den „Morgenstern, der nicht untergeht“, auf Jesus Christus.

Prälat Dr. Stefan Dybowski

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