Nov. 5, 2022 | NACHRICHTEN
Hört ihr das? Er sagt: Werde zu Feuer in meinem Feuer! Werde Feuer in Mir, lebe nur die Liebe.
Am 30. Oktober 2022 durfte ich in der Kapelle unseres Mutterhauses in Wrocław auf den Ruf Jesu antworten, den ich gehört hatte und der mich aufforderte, in der Welt ein Zeuge seiner Liebe zu sein. Nach dem zweijährigen Noviziat legte ich vor der Provinzoberin, Schwester Magdalena Zabłotna, meine ersten Gelübde ab – Keuschheit, Armut und Gehorsam -, die ich nicht nur als eine Pflicht sehe, sonder mir vielmehr das Recht geben, eine engere Beziehung zu Gott aufzubauen, Jesus nicht nur nachzuahmen, sondern bei ihm zu bleiben und ihm durch dieses Bleiben immer ähnlicher zu werden. Die Gelübde, die ich abgelegt habe – die evangelischen Räte – machen mich zu seinem Eigentum, alles in ihm zu lieben; den Glauben zu meinem Reichtum zu machen; nur Gottes Willen zu suchen, nicht meinen eigenen.
Ein freudiger und feierlicher Tag, denn außer meiner geistlichen Familie waren auch meine engsten Verwandten und Freunde Zeugen dieses Ereignisses. Der feierlichen Heiligen Messe stand Pater Wiktor Trojnar vor und die Predigt hielt Pater Kamil Cieliński, der mir versicherte, dass es nicht einfach, aber schön werden würde.
Die Freude über die Ablegung der Gelübde setzte sich fort im gemeinsame Mahl im Refektorium, während des feierlichen Abendessens und in der Freude des Miteinanderseins.
Meine Gebete gehen an alle, die mich auf dem Weg des geweihten Lebens, der gerade beginnt, unterstützt haben und weiter unterstützen. Das Ende des Noviziats ist nicht die Ziellinie, sondern der Anfang, mich Schritt für Schritt von Gott leiten zu lassen, um die Schwester zu sein bzw. zu werden, die er sich für mich wünscht.
Sr. Justyna Wijatyk
Nov. 5, 2022 | POSITIVE IMPULSE
Unsere Verbindungen und unsere Beziehungen sind nicht dasselbe. Verbindungen bedeuten, einander zu nutzen. Beziehungen sind ein gemeinsamer Weg. Verbindungen sind egoistisch motiviert. Beziehungen sind selbstlos. Verbindungen entwickeln sich auf der Grundlage der Aufrechterhaltung gemeinsamer Interessen. Beziehungen entwickeln sich weiter, wenn man individuelle Interessen opfert. Verbindungen enden, wenn man nicht mehr nützlich ist. Beziehungen sind für immer. Wir können viel mehr differenzierende Elemente hinzufügen. Investieren Sie in Beziehungen und nicht in Verbindungen. Denn Beziehungen sind heilig, Verbindungen sind flüchtig.
Don Giorgio
Nov. 5, 2022 | SPIRITUALITÄT
Wein – so alt wie die Menschheit?
Wein ist ein uraltes Kulturgut. Seit frühesten Zeiten haben Menschen den Wein angebaut, ihn kultiviert, ihn bei Festen und Feiern getrunken, und nicht zuletzt auch seine berauschende Wirkung erleben müssen. All dies findet sich auch in den Schriften der Bibel wieder. So greift auch Jesus in seiner Verkündigung das Bild vom Weinstock auf, um damit ein schönes Thema anzusprechen: die Verbundenheit mit Gott.
Verbunden oder getrennt
Das Thema der Bildrede vom Weinstock ist eigentlich eindeutig. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Und nur wenn ihr in mir bleibt, könnt ihr reiche Frucht bringen.
Natürlich, wenn ich die Trauben abschneide, können sie nicht mehr weiterwachsen, sondern vertrocknen. Und wenn ich mich bei einer Bergwanderung vom Seil des Bergführers löse, kann es sein, dass ich abrutsche und schlimmstenfalls abstürze. Es scheint also sinnvoll zu sein, mit dem Weinstock oder dem Seil des Bergführers verbunden zu bleiben.
Communio – Verbindung mit Christus
Christus spricht in seiner Bildrede nun die Verbindung zu ihm an. Nur wenn ihr in mir bleibt, könnt ihr reiche Frucht bringen. Wie sieht diese Verbundenheit mit Christus aus.
Geistliche Übung: wie würden Sie Ihre Verbundenheit mit Christus beschreiben? Gebet, Zeit für ihn haben, nach seinen Geboten leben …?
Communio an Bedingungen geknüpft?
Jesus selbst beschreibt, wie die Verbindung mit ihm aussehen könnte. Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben. Der Satz erinnert mich an Schulzeiten: Wenn ihr artig seid, dann lese ich euch etwas vor. Wir müssen als Schüler also in Vorleistung gehen, bevor wir etwas vom Lehrer bekamen. Ist das bei Gott auch so? Müssen wir uns seine Gnade erst verdienen?
Gott macht den ersten Schritt
Die Bibel kennt eine andere Reihenfolge:
– Berufungserzählungen: Gott beruft. Dann kommt die Geschichte mit dem Berufenen; und trotz aller Misserfolge macht Gott seine Berufung nicht rückgängig.
– Herrschen und dienen: Jesus spricht nicht nur vom Dienen, er handelt als erster so (Fußwaschung); dazu Gedicht von Goethe: Legende.
– Vergeben: Jesus geht auf die Menschen zu, und dies ändert das Leben der Menschen radikal. Beispiel: Zachäus.
Nicht der Mensch geht also in Vorleistung, sondern Gott. Ein zuvorkommender Gott.
Freude am Evangelium
Vor einigen Jahren hat Papst Franziskus ein Apostolisches Schreiben herausgegeben. Titel: Freude am Evangelium. Ich habe es sehr gern gelesen. Allein die Bildersprache des Papstes hat mich beeindruckt. „Die Kirche ist nicht Zollstation, sondern Vaterhaus.“ Und an anderer Stelle „Die Kirche ist ein Haus mit offenen Türen.“ Offene Türen – damit meint der Papst nicht nur die Kirchentüren, sondern offene Türen für die Menschen, und offen für die Sakramente der Kirche. Sakramente sind nicht Belohnung für ein gutes Leben, sondern Stärkung für die Schwachen. Es ist also umgekehrt: nicht wir müssen in Vorleistung gehen, sondern Gott gibt seine Liebe unverdient und ungeschuldet. Er will also, dass wir am Weinstock bleiben und so mit ihm in Verbindung blieben.
Bleibt in meiner Liebe
In seiner ersten Enzyklika schreibt Papst Benedikt XVI. über die Liebe. Dabei unterscheidet er zwei Arten der Liebe. Die eine Art ist eine Liebe, die schnell auflodert, dann aber ebenso schnell wieder verlischt. Die andere Art der Liebe wächst langsam, ist dafür aber lang anhaltend und beständig. In seiner Bildrede vom Weinstock fordert Jesus uns auf, nach dieser bleibenden Liebe zu suchen.
Espresso umsonst
In Neapel gab es einmal eine schöne Gewohnheit. Wenn jemand besonders gut aufgelegt war und in einer Bar einen Espresso trank, zahlte er zwei statt einen. Der zweite Kaffee war für einen Gast reserviert, der nach ihm kommen würde, und der ihn nicht bezahlen konnte. Also eine Geste der Menschlichkeit.
Ich kann mir gut die Überraschung vorstellen, wenn jemand einen Espresso trinken möchte und ihn nicht bezahlen muss. Überraschungen dieser Art verändern das Leben und bringen Licht in den oft trüben Alltag. In der Bibel kann man oft von solchen Überraschungen lesen.
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass es hier zu keiner direkten Begegnung zwischen dem Spender und dem Empfänger kommt. Der Arme weiß nicht, bei wem er sich bedanken soll. Das erinnert mich an die Vorschriften zur Nächstenliebe im alten Judentum. Da gibt es einen Raum mit zwei Türen. Durch die eine Tür kommen die Geber herein und legen ihre Gaben ab. Nachdem sie weggegangen sind, kommen die Armen durch die andere Tür und empfangen die Gaben. Dadurch entsteht keine Abhängigkeit. Ein Akt der Würde für den Empfänger.
Doch auch der Geber weiß nicht, wer seinen Espresso bekommt. Vielleicht ein freundlicher Mensch, vielleicht aber auch ein ganz unsympathischer Typ. Und trotzdem bekommt er die Zuwendung. Diese Geste atmet für mich eine Weite, die ich großartig finde. Das erlebe ich bei Gott. Er macht seine Zuwendungen nicht abhängig von Sympathie oder Dankbarkeit. Er verschenkt einfach. Ein großzügiger Weinstock.
Prälat Dr. Stefan Dybowski
09.09.2022 Monatsvortrag St. Franziskus-Krankenhaus, Berlin-Tiergarten
20.09.2022 Monatsvortrag Kloster St. Augustinus, Berlin-Lankwitz
Nov. 3, 2022 | Tägliches Brot
Heiliger Karl Borromäus, Bischof
Freitag der 31. Woche der gewöhnlichen Zeit
Evangelium – Lukas 16,1-8
Jesus weist auf unsere Haltung hin, aufzugeben, wenn wir Schwierigkeiten haben, unsere Berufung als Kinder des Lichts zu leben. Der Meister lobte den unehrlichen Verwalter für seine Klugheit. Denn die Kinder dieser Welt sind schlauer im Umgang mit ihresgleichen als die Kinder des Lichts“. Der unehrliche Verwalter hat nicht aufgegeben, als er seine Arbeit verlieren sollte. Er findet einen Weg, damit umzugehen, und ist erfolgreich. Die Frage ist also: Wenn dieser Mann das tut, warum geben wir dann auf? In dem Moment, in dem wir Schwierigkeiten und Herausforderungen sehen, geben wir auf, das Gute zu tun. Selbst bevor wir etwas Gutes tun, denken wir eher an die Herausforderungen als an den Nutzen. Die Schwierigkeiten und Herausforderungen flößen uns Angst ein, weiterzumachen. Sie sollten uns aber keine Angst einflößen, sondern uns dazu inspirieren, diese Schwierigkeiten und Herausforderungen mit Hilfe unserer Intelligenz und Kreativität zu überwinden. Deshalb stellt uns das Evangelium die Frage: Findest du Wege, das Gute, das du tust, fortzusetzen, oder gibst du wegen der Herausforderungen und Schwierigkeiten auf?